Donnerstag, 11. September 2008

Die coolsten von allen

Heute waren die Fensterputzer da. Also nicht bei mir zu Haus. Luxus is nich. Aber auf Arbeit.
Da wir in einem hochmodernen Bürokomplex mit einigen Etagen sitzen mussten die Fenster natürlich von außen geputzt werden. Abgesehen davon, kann und soll man die Fenster ja eh nicht öffnen. Dafür haben wir ne Klimaanlage..


Die versetzt mich ja auch immer in Begeisterung. Mitten im Sommer muss man sich einen Schal rüberschmeißen sonst gibts Frostbeulen. Lang lebe die Technik. Sowieso ist hier alles klimatisiert. Was ich nicht ganz nachvollstehen kann. Im Sommer sind die Klimaanlagen entweder zu kalt eingestellt oder geben gleich ganz den Geist auf, wenn die Temperatur mal über 25°C steigt. Nicht so dramatisch, so oft passiert das ja nicht. Aber auch im Winter erscheinen sie eher sinnlos, da sie eine unangenehme Lusft verbreiten bei der man immer das Gefühl hat, es ist nicht warm genug. Naja. Nur gut, dass diese Paschminas eh gerade voll trendy sind. Und ich verstehe es einfach nicht. Warum ist in einem Land mit einem kaum wahrnehmbaren Sommer alles mit Klimaanlagen ausgestattet? Als ich letztes Jahr in Barcelona war fand ich das sinnvoll. Bei durchgehend 30° ist man dankbar für jede Abkühlung, damit das Gehirn nicht anfängt zu kochen. Naja... Ich werde mal Nachforschungen anstellen und dann wieder darauf zurückkomen.



Aber ich schweife ab. Worauf ich hinaus wollte: Fensterputzer sind ja wohl die coolsten von allen.
Es war schon verdammt beeindruckend wie die da vor dem Fenster, hängend in ihrer Sicherung, den sterbenden Schwan aufgeführt haben. Sie schwingen hierhin... dahin.. und putzen mit einer Lässigkeit die Fenster, da vergisst man, dass da ein weiter weg nach unten wartet. Und da Beste: Alle sind so dankbar für etwas Abwechslung, dass sie einen anstarren. Also von den Büros nach draussen. Das erinnert mich an die Cola light Werbung wo die Mädels fast nen Koller kriegen von dem sexy Lieferanten. Gut, der Fensteputzer konnte nicht ganz mithalten, aber ihm waren trotzdem ein paar begierige Blicke zuteil geworden.


Das bringt mich, warum auch immer, auf die Hip Hopper. Die denken ja auch immer, sie seien die obercoolsten Macker auf den Planeten. Was schon einen ernstzunehmenden Realitätsverlust voraussetzt. Warum sind bitte Hosen mit Windeloptik cool und nicht zu vergessen diese lächerlich langen und weiten Shirts die nichts, aber auch gar nichts von dem 3 Stunden täglich mühsam antrainierten Body erahnen lassen. Ich stell mir gerade die schockierten Gesichter vor, wenn die da hängen würden. Aber das sehe ich mal als ernsthafte Initiative in Coolness-Nachhilfe. Wer da so lässig hängt, wie der Fensterputzer eben, verdient wirklich meinen Respekt.
Achja.. Und wie das beim Fensterputzen so ist.. Es hat gerade angefangen zu regnen.. Vielleicht müssen die bald wiederkommen und bringen mich wieder auf merkwürdige Gedanken.


Dienstag, 2. September 2008

Übers Wetter, Einkaufen und eine Verschwörungstheorie

So. Am Besten mach ich da weiter, wo ich aufgehört habe. Ich rege mich über englische Unsitten und Gegebenheiten auf.

Das Wetter
Ich habe gestern gelesen, dass dieser August der nasseste seit 150Jahren oder so war.
Ja super. Abgesehen davon, dass so einiges stimmt was man über das englische Wetter so hört, lege ich mal wieder ein perfektes Timing hin. Und werde nass gemacht. Ja, das war doppeldeutig. Aber mal ehrlich. Hier kann sich das Wetter im Laufe eines Tages 3mal komplett ändern, es regnet generell nicht gerade wenig und ich schaffe es tatsächlich den nassesten August abzupassen? Oh bitte. Das ist zu viel Ironie, das ist selbst für mich schwer zu ertragen.
So oder so brauch ich einen neuen Schirm. Und bald auch wasserfestere Schuhe. Der Herbst hat ja gerade erst begonnen, also eigentlich müsste es jetzt erst mal so richtig anfangen zu schütten. Wie heut morgen zum Beispiel. Die Straße sah mehr aus wie ein Spiegel. Mein Schirm ist fast unter der Last zusammengebrochen und noch 3 Meter mehr und meine Schuhe wären astrein durchgeweicht gewesen.


Die Unvorhersagbarkeit des Wetters hat auch was für sich: Auch wenn schlechtes Wetter angesagt ist, kann es trotzdem schön werden. Ist zwar selten, kommt aber auch vor.
Noch ne kleine Anekdote zwischendurch: Samstag war hier ein phänomenal schöner Tag. Vieeel Sonne, 27Grad. Achja. Hab den ganzen Tag rumgegammelt und im Garten noch mal Sonne getankt. Aber einer der wichtigsten Indikatoren, dass schönes Wetter war: Abends in der U-Bahn auf dem Weg zum Ausgehen saßen so einige rotgebrannte Weißhäute. Achja. Irgendwie haben die hier ein ungesundes Verhältnis zu gutem Wetter.


Achja. Und warum sich einige wundern, warum das Wetter in London bittschön so viel unberechenbarer sein soll als in Deutschland: Das ist wegen der Meeresnähe. Abgesehen davon ist es ja auch ne Insel. Und einige Sachen... laufen halt sowieso einfach anders.

Einkaufen


Genau, wie das Einkaufen zum Beispiel.
Überall bekommt man Gutscheine in die Hand gedrückt und Bonuskarten und Angebote. Ich habe mal irgendwo aufgeschnappt, dass nur 5% der weltweit gedruckten Gutscheine auch verwendet werden. Ich denke, die Engländer treiben die Statistik da etwas in die Höhe.
Aber es ist auch ein Teufelskreis. In meiner Lieblingsdrogerie habe ich schon so etwa 5x2 Gutscheine bekommen. Als ich 2 davon eingelöst habe, bekam ich spontan 2x2 Neue. Gott sei Dank ist die Aktion aber bald vorbei. (Das war übrigens eine Rabatt von 5 Pfund auf Pflegeprodukte. Ich hab mal bei der Augencreme und einer Creme zur Vorbeugung der Hautalterung zugeschlagen. Jaja.. Dafür bin ich zu jung. Wenn ich mir meine Mutter und meine Oma angucke, sprechen eigentlich die Gene gegen eine frühzeitige Hautalterung. Aber so hiflreich waren die Gene bisher ja auch nicht.)

Wichtigster Unterschied sind hier Rabattaktionen. Nur wenig wird tatsächlich reduziert. Viel lieber gibt es Aktionen wie 2 für 1, 3 für 2, oder 5 für 2...... Mal abgesehen davon, dass die hier eh auf Jumbo-Packungen stehen. Was um Gottes willen mach ich mit insgesamt 1L Shampoo? Klar verfällt das nicht. Aber wenn die ersten 2 Flaschen aufgebraucht sind hab ich doch längst vergessen wo ich die Dritte, eigentlich kostenlose, deponiert habe. Und wenn ich das Shampoo schneller aufbrauche, bevor ich vergesse wo das Shampoo steht, hab ich mir wahrscheinlich alle Haare weggewaschen.
Auch macht das für mich als Single nicht so viel Sinn bei Lebensmitteln. Das was ich spare, muss ich ja eh wieder wegschmeißen. Hab ich mich eigentlich schon mal über das Fertigessen hier ausgelassen? Es gibt alles, wirklich alles, schon vorgekocht und muss nur aufgewärmt werden.
Gut, das ist in Deutschland nicht so anders. Aber hier wirds auch gekauft! In Massen!
Selbst gekochte Kartoffeln hab ich schon einem Einkaufswagen verschwinden sehen. Geschnittener Eisbergsalat und sowieso Salat ist auch sehr beliebt. Und in dem Tesco bei mir um die Ecke ist die Kühlabteilung so groß, dass ich Erfrierungen an den Zehen kriege wenn ich einmal komplett durchlaufe.


Achja. Ich muss auch unbedingt noch mal auf die Bonuskarten zurückkommen. Klar, auch die gibts massig in Deutschland. Spricht ja nichts dagegen. Für die völlige Aufgabe von Datenschutz bekommt man ein paar Gutscheine. Fairer Deal… Aber hier nervt mich das ein wenig wenn man das mal in einen anderen Zusammenhang bringt. Die Engländer haben keine Namen an der Haustür! Nirgends. Nicht an der Klingel, nicht am Postkasten. Man kann also nie wissen, ob die Frau Shsaahaowohw deren Post wir dauernd bekommen nicht vielleicht einfach eine Tür weiter wohnt oder ein Zahlendreher drin ist. Aber okay. Mir wurde erzählt, dass das quasi eine private Angelegenheit ist. Der Name an der Tür wäre also die Aufgabe eines Stückchens Privatsphäre. Aha. Lustiges Volk die Briten.
Denn andererseits!!!!! Hat hier wirklich jeder so um die 10 Bonuskarten. Nen bisschen albern, oder? Die größten Supermärkte im Land wissen genau wann man was wo gekauft hat. Die durchsuchen wahrscheinlich auch den Müll um rauszufinden, wie’s denn nun geschmeckt hat und wie schnell man seine dritte Shampooflasche verbraucht hat. Aber ein Name an der Tür wäre zu viel Information auf einmal. Ja ne, is klar.

Taxis

Ich liebe sie. Ehrlich. Die sehen so knuffig aus die „Cabs“. Klassisch in schwarz sind die ja auch am Bekanntesten, aber die gibts inzwischen auch in anderen fetzigen Farben. Und sie beherrschen die Straße. Besonders in der Innenstadt. Es gibt hier ja eine wahnsinnig teure Maut für Autos, deswegen gibt es in der City nicht zu viele... Meistens sind da nur Busse und Taxis. Und wegen der Übermacht der Taxis spreche ich schon innerlich von der Taximafia. Wie die da reihenweise an der Vorbeibrausen, farblich oder nach Zahl der Insassen sortiert.. Von oben sieht das ganze noch lustiger aus.. Wie Ameisen. Hmm. Irgendwie doch unheimlich. Wo ist deren Zentrale? Wie vermehren sie sich? Welche Pläne verfolgen sie um die Weltherrschaft an sich zu reißen? Ich könnte wetten, wenn da ganz hohe Persönlichkeiten einsteigen, werden die einer Gehirnwäsche unterzogen. Immerhin sind die Türen verriegelt, wenn man drinne sitzt (kein Scherz). Und eigentlich müssen Taxifaherer alle Straßen auswendig kennen. Aber bisher haben alle erst mal in ihr Navi getippt wenn ich eingestiegen bin. Ich sag euch: Die überprüfen nur, ob sich der Fahrgast eine wichtige Persönlichkeit ist oder nicht. Aber warum? Was ist deren Ziel? Wozu eine Ausweitung ihres Machteinflusses?
Meine Theorie: Linksverkehr weltweit. Ihr werdet sehen.. Nehmt euch in acht vor den Cabs...

Okay, okay. Ich hör ja schon auf rumzuspinnen. Worauf ich hinaus wollte: Hab noch nirgends so viele Taxis gesehen. Aber so hört sich das natürlich langweilig an. ;D