Mal ein paar Sachen über London im Allgemeinen und Londoner im Speziellen.
Diese Stadt erschlägt einen. Und das mein ich wörtlich. Es ist eng bebaut, voll, hektisch und laut. Immer hat man das Gefühl im Weg zu stehen, gleich von einem Bus/Auto/Fahrradfahrer umgefahren zu werden und irgendwie hat man wirklich nirgendswo seine Ruhe.
Außer vielleicht in meinem Zimmer. Obwohl.. Auch da ist es eher hellhörig. Gibt es eigentlich auch hellriechig? Meine polnischen Mitbewohner kochen immer so merkwürdige Sachen und dann riecht das ganze Haus danach. Auch mein Zimmer, bei geschlossener Tür.
Äh ja.. Ich schweife ab.
Es hat natürlich auch Vorteile hier zu leben.
Mode
Modetechnisch kann man tatsächlich nicht falsch machen. Und ich mein das genau so wie ichs sage. Es gibt natürlich superaufgestylte modebewusste junge Damen, aber für eine von denen gibt es mindestens 3 Damen die keinen Spiegel besitzen. Da bekommt die Aussage „ich trage Größe 10“ eine völlig neue Bedeutung, weil entsprechende Damen trotzdem eigentlich ne 14 bräuchten. Und das ist die Regel. Sachen sind zu kurz, zu eng, zu bunt, zu bäh und meistens einfach daneben. Faszinierend ist hier auch die Rocklänge. Das lässt die Jungs gleich aufhören. Aber mal ehrlich: Ab Größe 44 sollte eine Rock mehr als nur knapp den Po bedecken. Und bauchfrei sollte ab einem gewisen Körperumfang utner Strafe gestellt werden. Aber hey, ich wil natürlich nicht kurvige Frauen diskriminieren. Auch die Schlanken machen viel falsch. Bei Frauen jedes Körperumfangs tritt aber eine unglaubliche Leidensfähigkeit zu tage. Engländerinnen sind völlig kälte-, regen- und schmerzresistent. Schirme werden ausgepackt wenn die Haare eh schon an einen nassen Pudel erinnern, T-Shirts sind zu jeder Witterung legitim und vor allem die besagten zu kurzen Röcke werden bei jeder Witterung aus dem Schrank geholt. Und dann die Schuhe. Das ist ein Kapitel für sich. Egal ob die Füße schon blau anlaufen, so was interessiert eine Dame von Welt doch nicht. Und was nach unserer Definition Absatzschuhe sind ziehen hier schon Kinder an. Erst ab 10cm beginnt die wahre Herausforderung. Und diese Schuhe werden immer und überall angezogen. Auch egal, ob man überhaupt damit laufen kann. Viele sehen aus, also die Erde gerade bebt. Auch hier gilt, dass die Engländer sich nicht von Witterung oder Außentemperatur bei ihrer Shuhauswahl beeinflussen lassen. Obwohl ich zugeben muss, dass ich besonders früh noch etwas anderes lustiges beobachtet habe. Die aufgestylten Damen haben FlipFlops und Turnschuhe an. Leicht zu erraten: Da werd
en die Mordinstrumente erst auf Arbeit angezogen.
Ich finde ja, wenn die Inselbewohner so auf ihre Monarchie stehen, sollten sie die Königsfamilienmitglieder auch als Vorbild nehmen. Die Queen machts richtig. Farblich abgestimmte Sachen, nie zu aufdringlich, Figurschmeichelnd und vor allem ein dezentes Make-up.
Ich kann es mir auch nicht sparen über den Make-up-Gebrauch auf der Insel zu lästern. Abgesehen davon, dass sich genau wie in Deutschland hübsche Mädchen mit so viel Schminke vollpinseln das selbst ihre Mutter sie nicht mehr erkennt, finde ich vor allem spannend, wann das Make-up aufgetragen wird. Und zwar unterwegs. Nicht eine U-Bahn-Fahrt ohne eine kostenlose Schmink-Nachhilfe-Stunde. Immer wieder spannend ist die innere Wette ob die Gegenüber es wirklich schafft sich bei der Rüttelei nicht mit dem Kajalstift ins Auge zu piksen. Das kann sich dann schon mal über eine halbe Stunde ausgiebigen Schminkens hinziehen. Nicht das ich einen Unterschied sehen würde, denn besagte Damen waren ja eigentlich auch schon beim Einstieg geschminkt.
Worauf ich hinaus wollte: Egal wie sehr ich also vielleicht mal in der Kleiderkiste daneben greife (is ja eher selte), es wird keinen aufregen und aufmerksamkeit bekomm ich damit auch nicht. Schon toll, oder?
Alkohol
Über den Alkoholkonsum der Engländer habe ich ja schon mal Andeutungen gemacht. Ja.. Die Vorurteile kann ich alle bestätigen. Engländer bestellen nie nur ein Glas, es muss eine Flasche Wein sein. Cocktails werden auch bevorzugterweise als „Jugs“ bestellt. Also eine ganze Kanne voll Cocktail. Das Tempo des Alkoholkonsums ist auch durchaus beeindruckend. Kollegen haben es schon geschafft mich in 1,5h so betrunken zu machen, dass ich mit Mühe und Not zur U-Bahn getorkelt bin. Und die Beiden wirkten völlig nüchtern!
Dabei ist Alk hier ganz schön teuer. Ein Bier kostet im Schnitt 4/5 Euro. Und selbst das billigste Büchsenbier im Supermarkt ist nicht unter 1,30€ zu haben. Sich zu betrinken ist also wahrscheinlich auch so eine Angebersache: Schau her, ich hab genug Geld um mich volllaufen zu lassen. Ein Kater muss wirklich teuer erkauft werden. Kollegen haben mir erzählt, dass ein Partywochenende schon mal locker 200Pfund verschlingt. Oh man. Das muss ich nicht nachmachen. Mit meiner Katzenallergie muss ich ja eh vorsichtig sein. ;D
Essen
Achja. Und das Essen. Wie konnte ich vergessen über das Essen zu schreiben?
Es ist furchtbar. Auch hier kann ich jegliches Klischee bestätigen. Joa. Fertig.
Nene. Ich kann das natürlich nicht so stehen lassen.
Also nochmal: Es ist furchtbar. Sandwiches ist weich, wabbelig, geschmacklos und mit Mayonaise zugeschmiert. Und erst die Fritten! Die sind weich, wabbelig, geschmacklos und werden nur mit Mayonaise erträglich. Aber jetzt mal im Ernst. Mit Würze haben es die Engländer nicht so. Alles ist irgendwie fad. Auch wenn ich schon mal sehr dankbar für die Bio- und Diät-Welle der letzten Jahre bin. Dadurch gibt es immerhin überall Salate und Suppen und manchmal sogar Baguettes mit so was wie einer Kruste. Das ist auch so ziemlich meine Ernährungsgrundlage. Mit der kleinen Tüte Chips zum Mittagessen, das frittierte Zeugs, dünn belegte fettige Pizza und dem wirklich sehr süßen Süßkram kann ich mich einfach nicht anfreunden. Fleischbeigaben sind eigentlich immer Hühnchen. Hab auch mal gelesen, dass es hier den höchsten Geflügelverbrauch in Europa gibt. Aber auch das ist meist fad, wabbelig und kommt bestimmt eh von armen, unschuldigen, zusammengepferchten Hühnern. Also... Ich muss schon sagen. Obwohl ich mich also im Mutterland des schlechten und ungesunden Gaumengeschmacks befinde, habe ich mich noch nie so gesund ernährt. Na gut. Eins gibts da, was mich schwach werden lässt. Brownies. Boah.. Das ist ne Schokoladenexplosion im Mund und ach noch so schön klebrig. Und die gibts auch überall. Voll fies. Aber ich geb dem nur selten nach. 1,50Pfund für etwas was mich 1 Kilo schwerer macht obwohl es nur so groß ist wie meine Kreditkarte ist es einfach nicht wert..
Public Transport
Oh ja.. Der öffentlich Verkehr. Auch eine spannede Möglichkeit sich vorwärts zu bewegen. Wenn ich euch verrate, dass in London das älteste U-Bahn-Netz der Welt ist, ist ja schon alles gesagt. Das brauchte ich nämlich nicht nachlesen, dass hab ich irgendwie auch so gewusst. An das angeblich so komplizierte U-Bahn-Netz habe ich mich schnell gewöhnt. Was die Sache spannend und aufregend macht ist eigentlich, dass dieses besagte Netz regelmäßig den Geist aufgibt. Linien werden regelmäßig in der Rush-Hour geschlossen, Züge haben Verspätungen und es wird auch immer irgendwo gebaut und repariert. Als Sahnehäubchen schmeißt sich auch dauernd einer vor den Zug und Stationen müssen geschlossen werden. Ganz toll war auch mal der Rauch, als wir in eine Station rein sind. Äh ja.. Ich nehm den Bus. .jpg)
Busse sind ja auch toll. Die sind hier eigentlich sogar wichtiger als die U-Bahn, denn sie befördern 2/3 der Leute. Meistens sind es auch tatsächlich diese roten Doppeldecker die hier durch die Gegend flitzen. Ich empfehle jedem Mal, sich ganz oben vorne ans Fenster zu setzen.
Es ist unglaublich wie toll das schaukelt. Und in jeder Kurve fragt man sich, ob die Kreuzung überhaupt groß genug ist. Achja. Und ob man den Fahrradfahrer links noch mitnimmt. Busfahrer sind auch eine besondere Spezies. Manchen lächeln dich an, also ob sie gleich nach deiner Nummer fragen und andere wollen dich gleich auffressen. Dumm nur, dass man schon irgendwie auf sie angewiesen ist. Viele Busse sind alt. Und das heißt, sie haben keine elektronische Anzeige an welchem Stop man gerade ist. Etwas unpraktisch wenn man sich nicht auskennt. Also muss man den Busfahrer um Hilfe bitten. Auch schon passiert: Entgegen des Busfahrplans war der Fahrer der Überzeugung nicht an meiner Station zu halten und verwies auf einen anderen Bus. Okayyyy.. Ich gebs zu. Ist nicht mir, sonder Franzi passiert. Während ich gerade 5 Stationen in die falsche Richtung mit dem richtigen Bus gefahren war.
Der Linksverkehr hier verwirrt mich sowieso immer noch. Aber noch schärfer ist die Straßenführung. Gerade da wo ich wohne, kreuzen sich mehrere Schnellstraßen. Also ich hätt nie im Leben die richtige Abbiegung gefunden, so viel steht fest. Also ich ahne schon, dass ich niemals in London ein Auto fahren werden.
Puh. Okay. Das reicht. Die Engländer haben noch genug Marotten mit denen ich mich in Zukunft beschäftigen kann. Aber ihr dürft mir gern mal nen bisschen Mitleid schicken womit ich hier so zu kämpfen habe....
